• Erfahrene Interim Manager wissen, wie erfolgskritisch der richtige Umgang mit Wissen in Unternehmen ist.

Wissen, Belegschaft und Interim Management

Von |2018-07-12T10:39:33+00:0027. Februar 2018|

Ein Interim Manager hat einen eigentümlichen Zugang zum unternehmensinternen Wissen. In gewisser Weise bleibt er, auch wenn seine Aufgaben oft tief in die Unternehmensstruktur reichen, doch immer auch ein Fremdkörper. Interim Manager kommen in organisch gewachsene Verhältnisse und müssen sich mit diesen arrangieren. Das ist durchaus positiv zu sehen.

 

Der neutrale Blick

So sind Interim Manager deshalb geradezu prädestiniert für einen Blick über den Tellerrand, den Blick auf die Totale, der eine Gesamtheit erfassen kann, die sich für Personen, die seit langer Zeit eine bestimmte Position innehaben, außerhalb des Ereignishorizonts befinden kann. Interim Manager wissen eben nicht, wie es in einem bestimmten Betrieb üblicherweise abläuft. Diese Unkenntnis des eingefahrenen Vorgehens bedingt einen scharfen Blick für unzureichende Begründungen.

Blinde Winkel findet man etwa oft in der internen Kommunikation. Das Wissen läuft nicht von A nach B, auf einem idealerweise gut einsehbaren Weg, sondern geht von A nach X und von dort über so manche Ecke zu B. Die Entscheidungsfindung entwickelt eine Eigenlogik, die entsteht, weil diese Eckpunkte Eigeninteressen haben. Kompromisse entstehen dann zwischen den mächtigsten Wortführern und nicht zwischen den Funktionen einer Maßnahme.

Nicht zu unrecht gehört die Einbringung neuer, frischer Sichtweisen zu den häufigsten Gründen für den Einsatz eines Interim Managers. Ihr Standpunkt befindet sich strukturell out-of-the-box.

 

Keine Politik, Ziele im Mittelpunkt

Interim Manager sind aufgrund ihrer Stellung auch nicht in die Firmenpolitik eingewoben. Sie sind vorübergehende Chefs, die niemandem einen Gefallen schulden. Sie stehen den Fakten näher als Thesen, die im kollektiven Nexus entstehen und das Warum? manchmal verschlucken. Die Bedeutungshoheit zu erreichender Ziele sorgt dafür, dass ein Interim Manager auch Unangenehmens ausspricht, wenn es nötig ist. Grundsatzfragen auszusprechen kann auch dazu gereichen, weiteres Wissen im Diskurs verfügbar zu machen.

Diese Position verlangt aber auch einen betont diplomatischen Zugang. Die Einigung der Belegschaft und die Unterstützung durch diese ist ein wichtiges Werkzeug für die optimale Umsetzung neuer Pläne. Das Warum kann nun sinnstiftend die neue Richtung vorgeben, das Handeln mit Bedeutungen erfüllen, die ein gemeinsames Ziel vermitteln. Das Wissen um Ziele dient auch der Motivation und macht viele Vorgänge transparenter.

 

Die Dynamik des Wissens

Ein zweckdienlicher Nebeneffekt ist, dass Wissen sich selbsttätig vermehren kann, wenn es offen kommuniziert und geteilt wird. Hier wird die perfekte Grundlage für eine produktive Gegenseitigkeit gelegt. Man darf nicht vergessen, dass Informationen an die Belegschaft nicht im luftleeren Raum stehen, sondern in individuelle Kontexte eingepasst werden, die jeweils spezifische Bereiche betreffen. Das ist ein allgemeingültiges kognitives Prinzip.

Es ist also eine gute Idee, die Mitarbeiter stets auf dem Laufenden zu halten. Es erleichtert ihnen und der Führung die Arbeit. Immer noch ist das größte Problem im Wissensmanagement die fehlende Unterstützung durch die Mitarbeiter. Das muss nicht sein; ein guter Lösungsansatz ist zweifellos der Einsatz eines geeigneten und erfahrenen Interim Managers, der gegebenenfalls auch die Organisation entsprechend anpassen kann, damit Infos leichter fließen können und das interne Wissen so für das Unternehmen aktiviert wird. Viele Unternehmen wissen gar nicht, was sie alles wissen, und verzichten so auf viele Chancen.

Bildnachweis: Detlef Szillat

Über den Autor:

Dipl.-Kfm. Siegfried Lettmann ist Executive Interim Manager (DDIM) mit Schwerpunkt „Geschäftsentwicklung in Familienunternehmen“. Er übernimmt temporär Führungsfunktionen in Unternehmensleitung sowie Vertrieb und Marketing mit Fokus auf Wachstum, Renditemanagement und Organisationseffizienz. Für seine Mandate ist er bereits mit dem Constantinus Award ausgezeichnet worden und hat die Zusatzqualifikationen „Certified Management Consultant (CMC)“ sowie „Interim Executive (EBS)“ erworben. Herr Lettmann hat langjährige Fach- und Führungserfahrung in Geschäftsleitung und internationalem Vertrieb und Marketing in bekannten Markenunternehmen wie zum Beispiel Miele und Kärcher. Mehr Informationen zu Siegfried Lettmann hier.