• Podiumsdiskussion mit Dr. Irina Karsunke

Dr. Irina Karsunke im Interview: Interim Management in Spanien

Von |2018-12-11T08:17:18+00:007. Dezember 2018|

Frau Dr. Karsunke, am 4. Oktober haben Sie als Vertreterin der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e.V. am Kongress des spanischen Interim Management Verbandes der „Asociación Interim Management España“ (AIME) in Madrid teilgenommen. Seit wann gibt es in Spanien einen Interim Management Verband?

Dr. Karsunke: Der spanische Verband AIME wurde 2013 gegründet und feiert dieses Jahr sein 5-jähriges Jubiläum. Mit rund 350 Interim Managern und 15 Providern und assoziierten Sozietäten zählt AIME zu den wichtigsten Verbänden in Spanien. Etwa die Hälfte der Mitglieder kommen aus Madrid und Umgebung, fast jeder Fünfte aus Katalonien.

Also ist der Verband noch etwas jünger. Wie hat Ihnen der Kongress, der Austausch mit den spanischen Kollegen gefallen? Gab es besondere Highlights, die Sie kurz schildern wollen?

Dr. Karsunke: Der AIME-Kongress war sehr professionell organisiert und hat den spanischen Interim Managern gute Möglichkeiten für das Netzwerken geboten. Es gab mehrere Podium-Interviews mit den Board-Members vom AIME, mit Providern, sowie Vertretern von Interim Manager Assoziationen aus Deutschland, Großbritannien und Italien. Als Highlights kann ich die internationale Podiumsdiskussion und die Verleihung der Interim Spain Awards nennen. Besonders freut mich, dass für die Entwicklung des „Interim Management for Women“ der Einsatz von Beatriz Recio, CEO von Womantalent, gewürdigt wurde. Danke an AIME für die Einladung zum Kongress und die Möglichkeit, an diesen internationalen Debatten teilzunehmen.

Das Podium der Veranstaltung war prominent und international besetzt. Wer war alles vor Ort?

Dr. Karsunke: Ja, es waren hochkarätige Referenten und interessante Teilnehmer, unter anderem Vertreter der IE Business School, Emprende – RTVE, also das spanische Fernsehen, Womantalent, das Interim Management Catalunya Forum, die Spanish Confederation of Business Organisations (CEOE) und die Asociación Progreso Dirección mit dabei.

Als Vorstandsmitglied der DDIM haben Sie auch selbst an der internationalen Podiumsdiskussion teilgenommen. Welche Themen wurden diskutiert? Wie schätzten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion die Marktentwicklungen in ihren Ländern ein?

Dr. Karsunke: An der internationalen Podiumsdiskussion haben der Präsident des britischen Institute of Interim Management, Tony Evans, Maurizio Quarta (Head of Italian Chapter of Institute of Interim Management) und ich als DDIM-Board-Member teilgenommen. Es war eine sehr spannende Diskussion über die Zukunft und Markttendenzen des Interim Managements in den jeweiligen Ländern. Es wurden auch die persönlichen Erfahrungen als Interim Manager und die internationalen Beziehungen mit den Interim Management Verbänden in anderen Ländern diskutiert. Alle Landesvertreter beurteilen die weitere Entwicklung des Interim Managements als positiv.

Das ist ja erfreulich. Das gilt also auch für Spanien selbst?   

Dr. Karsunke: Ja, der spanische Interim Management Markt wächst auch schnell. Es gibt aktuell ca. 1.700 Interim Manager in Spanien. Die Marktentwicklung in Spanien wird als positiv bewertet, man rechnet mit einem deutlichen Marktwachstum.

Das heißt, die Branche ist in einem Aufschwung. Wie sieht es mit den Einsatzgebieten aus?

Dr. Karsunke: Die Hälfte der Interim Projekte in Spanien betraf im Jahr 2017 den Bereich Restrukturierung, ein Fünftel der Einsätze entfiel auf die Arbeit an neuen Geschäftsmodellen sowie Märkte und Produkte, Projektarbeit und der Aufbau von neuen Abteilungen machten 15% aus, 7% der Einsätze galten der Vakanzüberbrückung. Am gefragtesten waren dabei die Rollen als CEO, CFO sowie COO.

Obwohl die allermeisten Interim Manager in Deutschland Männer sind, wurde zuletzt in einigen Veröffentlichungen betont, dass sich diese Verhältnisse langsam verschieben. Der Frauenanteil wächst. Wie ist das in Spanien? Sie haben ja bereits erwähnt, dass der Einsatz von Womantalent gewürdigt wurde.

Dr. Karsunke: Etwa jeder sechste Interim Manager ist eine Interim Managerin. 70% der Interim Manager sind zwischen 46 und 60 Jahren alt, zwei Drittel der Interim Manager sind seit weniger als 5 Jahren aktiv als Interim Manager tätig. Typisch für den spanischen Markt ist auch, dass 62% der Interim Projekte in Teilzeit durchgeführt werden. Die durchschnittliche Projektdauer beträgt dabei 13 Monate.

Interessant. Wie sieht es mit Interim Managern aus dem deutschsprachigen Raum aus? Macht es Sinn, sich in Spanien nach Mandaten umzusehen?

Dr. Karsunke: Für deutsche Interim Manger ist der spanische Markt eher nur begrenzt attraktiv, da die Tagessätze unter den Tagessätzen in Deutschland liegen und meistens Teilzeitmandate angeboten werden. Darüber hinaus ist eine gute Beherrschung der spanischen Sprache eine „Muss“-Voraussetzung, um Projekte in Spanien zu machen.

Welche Größenordnung haben die Firmen in Spanien, die Interim Manager einsetzen?

Dr. Karsunke: Vier von zehn Interim Managern werden in kleinen Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten eingesetzt, gefolgt von 36%, also etwa einem Drittel, bei mittelständigen Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitern. Nur ein Viertel der Interim Mandate werden in großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten vergeben. Wie ich bereits erwähnt habe, sind Teilzeit-Mandate recht verbreitet: Ungefähr sechs von zehn Einsätzen fallen in diese Kategorie.

Und wie akquirieren spanische Interim Manager ihre Mandate?

Dr. Karsunke: 71% der spanischen Interim Manager nutzen eigene Akquisitionskanäle und akquirieren ihre Mandate ohne Einbeziehung von Providern, das ist mehr als etwa im deutschsprachigen Raum, wo ungefähr zwei Drittel der Mandate ohne die Hinzuziehung von Providern akquiriert werden. Nur ein Sechstel aller Mandate wird im Ausland, vorwiegend in Südamerika, vergeben. Auch das unterscheidet sich also vom deutschen Markt, wo relativ viele Mandate international ablaufen.

Vielen Dank für den kurzen Überblick und Ihre Einschätzung des spanischen Interim Marktes! Eine Frage noch zum Schluss: Woher kommt Ihre Nähe zum spanischen Markt? Waren Sie selbst einmal dort im Einsatz? Mir ist aufgefallen, dass sie hervorragend Spanisch sprechen…

Dr. Karsunke: Meine Nähe zum spanischen Markt kommt von meiner 7-jährigen Tätigkeit als Geschäftsführerin einer spanischen Tochtergesellschaft, die zu einem deutschen Konzern aus der metallverarbeitenden Industrie gehört. Ich habe auch schon mehrere Due-Diligence-Prüfungen in Spanien durchgeführt. Spanisch habe ich bereits in der Schule gelernt und habe sehr gern in Spanien gearbeitet. Interkulturelle Erfahrungen haben mir dabei sehr geholfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Sehen Sie auch das Podiums-Interview mit Dr. Karsunke im Rahmen des AIME-Kongresses zur Lage des Interim Managements in Deutschland:

 

Dr. Irina Karsunke ist Partnerin der SLIM Sozietät und Vorstandsmitglied der DDIM e. V. Ihre Kerngebiete sind Finanzen, Controlling und interne Revision. Sie übernimmt als Interim Managerin temporär Führungsaufgaben im Unternehmen, insbesondere als CFO und Projektleitungen. Sie hat über 30 Jahre Erfahrungen als Geschäftsführerin, CFO, Leiterin Interne Revision in mittelständigen Unternehmen und internationalen Konzernen. Sie schafft Klarheit und Transparenz und sorgt für kaufmännische Neuausrichtung und Turn Around von Unternehmen. Sie ist Mitglied der DDIM-Fachgruppe Finance, zertifizierte PRINCE 2 Projektmanagerin und arbeitet auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Russisch.

 

Dr. Irina Karsunke

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Über den Autor:

Johann Auer hat Deutsche Philologie und Philosophie studiert, arbeitet seither als Journalist und betreibt ein Lektoratsbüro. Als Texter schreibt er für SLIM über Führungs- und unternehmerische Fachthemen. Anregungen, Fragen und dergleichen bitte immer gerne an redaktion@lettmann-interim.com richten.